“ Meine erste Komposition habe ich am Tag meines zehnten Geburtstages geschrieben. Seitdem wusste ich, dass ich Komponist bin. Ich habe mich nicht gefragt warum, es war für mich einfach so. Und so ist es bis heute geblieben. Später – vor allem um ’68 herum – habe ich mich, wie damals üblich, öfter gefragt: warum – und vor allem für wen – komponierst du eigentlich? Ich habe damals verschiedene, mehr oder weniger überzeugende Antworten gefunden – aber natürlich entgeht einem Komponisten die eigentliche, tiefe Motivation seines Tuns. Musikmachen ist eine Äußerung meines Lebenswillens und meiner Lebenskraft, es ist meine Art, das Leben zu erfahren, zu verarbeiten und dazu Stellung zu nehmen. Es ist für mich eine Möglichkeit, Freiheit zu erobern und zu „konstruieren“. Ich bin mein erster Hörer und mein erster Kritiker. Wenn andere Freude haben an dem, was ich mache, bin ich glücklich." Luca Lombardi 


Luca Lombardi ist einer der meistgeschätzten zeitgenössischen Komponisten Italiens.
Obwohl seine Mutter als Jüdin  unter der Verfolgung durch das Naziregime gelitten hatte, sandten seine Eltern ihn auf das deutsche Gymnasium in Rom.
Diese sehr bewußte und mutige Entscheidung prägte Lombardis starke Affinität zur deutschen Kulturtradition, regte ihn aber auch an, in Essais, Kompositionen und Gesprächskonzerten den Bruch dieser Tradition durch die Nazis zu thematisieren.

Nach dem Abitur studierte er in Rom, Florenz, Wien, Köln und Berlin ( u.a. bei Porena, Lupi, Stockhausen, Schiske B.A. Zimmermann, Dessau).
Ein zweites Studium an der Universität Rom schloss er mit der Promotion in Germanistik ("Lingua e Letteratura tedesca") ab. Er lehrte Komposition an den Universitäten Pesaro und Mailand und arbeitet seit 1994 als freischaffender Komponist.

2008 erwarb er auch die israelische Staatsbürgerschaft und lebt seitdem in der Nähe von Rom und in Tel Aviv.

Lombardis Kompositionen haben meist ein Anliegen, das über die Musik auf Politisches und Philosophisches hinausweist. In den letzten Jahren kommt auch verstärkt
seine starke Abneigung gegen jede Form von Rassismus, vor allem in der Spielart des Antisemitismus, zum Ausdruck. 

Zu seinen bisher rund 170 Kompositionen, darunter viele Auftragswerke (u.a mehrere deutsche, schweizer und italienische Rundfunksender, die Wiener Festwochen, die Opernhäuser von Basel, Leipzig, Nürnberg, Rom und die Scala Mailand), zählen 4 Opern (Faust. Un travestimento, Dmitri, Prospero, Il re nudo), mehrere Symphonien, viele  Orchester- und Kammermusikwerke ebenso wie Vokalkompositionen.

Für seine Oper Faust wurde er mit dem Preis der Italianischen Autorengesellschaft (SIAE) ausgezeichnet und erhielt  den Goffredo Petrassi Preis.

Lombardi war u.a. Fellow des des Wissenschaftskollegs zu Berlin und des Hanse Wissenschaftskollegs in Delmenhorst, Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD und arbeitete 6 Monate auf Einladung der Japan Foundation in Japan.
Heute ist er Mitglied der Akademie der Künste Berlin  und  der Bayerischen Akademie der schönen Künste sowie Träger des Bundesverdienstkreuze
s.

Zusammen mit einem Musikologen und auf Akustik spezialisierten Physiker publizierte er eine Abhandlung über Orchestrierung, ”Instrumentation in der Musik des 20. Jahrhunderts”.
Eine Auswahl seiner Schriften wurde unter dem Titel  "Construction of Freedom" herausgegeben.
Das bekannte deutsche Magazin "Musik-Konzepte" publizierte 2014 in einer Doppel-Ausgabe acht Essais über seine Musik.